Titelbild Osteuropa 7-10/2015

Aus Osteuropa 7-10/2015

Der russische Georgien-Mythos
Die Sowjetisierung einer romantischen Utopie

Franziska Thun-Hohenstein

Abstract

In der russischen Literatur des 19. Jahrhunderts wurde Georgien romantisch überhöht. Mit dieser Tradition brachen auch Dichter und Schriftsteller der Sowjetzeit nicht. Das zeigen die Werke von Sergej Tret’jakov, Konstantin Paustovskij oder Andrej Bitov. In Poetik und Metaphorik knüpften sie an den romantischen Georgien-Mythos an. Ungeachtet der ideologischen Überformung speisen sich ihre Texte aus dem traditionellen Arsenal an Metaphern, Motiven und Symbolen, weshalb russisch-imperiale Gesten und Deutungen Georgiens erkennbar bleiben. Auf der sprachlichen Ebene treffen die sowjetischen Ideologeme und die traditionell romantische Metaphorik vielfach unvermittelt aufeinander und lassen Kontinuitäten oder Brüche zwischen beiden hervortreten.

(Osteuropa 7-10/2015, S. 549–568)