Titelbild Osteuropa 4/2015

Aus Osteuropa 4/2015

Das neue Herz der Ukraine?
Dnipropetrovs’k nach dem Euromajdan

Andrij Portnov

Abstract

In Dnipropetrovs’k überlagern sich russische, ukrainische, sowjetische und jüdische Schichten. Der Metropole im Südosten der Ukraine ist es gelungen, den Krieg fernzuhalten, den Russland mit Hilfe bewaffneter Gruppen im Donbass ausgelöst hat. Dies hat viel mit dem Wirken von Ihor Kolomojs’kyj zu tun. Der Milliardär hat als Chef der Regionalverwaltung das traditionelle Selbstbewusstsein der Dnipropetrovs’ker aufgegriffen und der Stadt eine neue Form von lokalem Patriotismus angeboten, der eng mit der politischen Loyalität zur Ukraine verknüpft ist. Dnipropetrovs’k ist die erste Stadt, in der sich ein dezidiert ukrainischer politischer Nationalismus manifestiert. Dieser Nationalismus ist mit der russischen Sprache und einer russischen oder jüdischen Identität vereinbar.

(Osteuropa 4/2015, S. 173–185)