Titelbild Osteuropa 11-12/2015

Aus Osteuropa 11-12/2015

Die Dynamik des Auges
Rodčenko als Fotograf und Zeitschriftengestalter

Bernhard Schulz

Abstract

Aleksandr Rodčenkos Fotografien sind zu Ikonen geworden, in denen die junge Sowjetunion in künstlerisch gültige Form gefasst scheint: Bilder des Alltags und Bilder eines engagierten Beobachters. Doch die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche, die das Land nach der Oktoberrevolution durchlief, treten in Rodčenkos Fotografien kaum zutage. Vielmehr erscheinen sie eher beiläufig gegenüber der fotografischen Komposition als solcher. Zunehmend geriet er mit seiner neuen Bildsprache in Konflikt mit den ideologisch-propagandistischen Vorgaben für die proletarische Kunst. Sein fotografisches Œuvre ist das beredte Zeugnis des erzwungenen Verlöschens seiner eigenen, experimentellen Ästhetik und das der sowjetischen Avantgarde überhaupt.

(Osteuropa 11-12/2015, S. 141–153)