Titelbild Osteuropa 8/2014

Aus Osteuropa 8/2014
Teil des Dossiers Zentralasien

Hierarchie und Autonomie
Zur Betriebsweise der Sicherheitsapparate in Zentralasien

Andreas Heinemann-Grüder

Abstract

Die Macht von Sicherheitsapparaten in autoritären Regimen basiert auf einem prekären Gleichgewicht zwischen Hierarchie und Autonomie. Formal sind die Apparate in eine hoch zentralisierte Struktur eingebunden, an deren Spitze der Präsident steht und in der Kompetenzen funktional verteilt sind. Tatsächlich verfügen die Sicherheitsorgane in Zentralasien über einen hohen Grad an Autonomie und konkurrieren bei der Abschöpfung und Kontrolle von staatlichen und privaten Ressourcen miteinander. Auch wenn sich viele Menschen in Zentralasien an Korruption und Repression durch die Sicherheitsapparate angepasst haben, sind diese keineswegs legitim, denn die Kontrolle öffentlicher Meinung sowie unfreie und unfaire Wahlen schaffen illegitime Rechtfertigungsverhältnisse. Die islamistische Gefahr, mit der die Regime die Repression rechtfertigen, ist übertrieben und wird zugleich durch die Praktiken der Sicherheitsapparate erst geschürt.

(Osteuropa 8/2014, S. 27–48)