Titelbild Osteuropa 8/2014

Aus Osteuropa 8/2014

Das Paradox: Putins populäre Autokratie
Legitimitätsquellen in einem hybriden Regime

Cameron Ross

Abstract

Die verbreitete Annahme, dass Autokratien per se illegitim sind und dass die Menschen demokratische Ordnungen gegenüber autokratischen bevorzugen, ist historisch falsch. Das zeigt sich auch in Russland unter Putin. Trotz des Abbaus demokratischer Rechte in seiner Amtszeit ist Putin in der Lage, sich breite Legitimität in der Bevölkerung zu sichern. Max Webers klassische Idealtypen von Legitimität greifen zu kurz, um diese Unterstützung zu erklären. Putin und sein autoritäres Regime schöpfen sie aus der Stabilität der politischen Ordnung und der wirtschaftlichen Prosperität, was sich zu einer sogenannten Performanzlegitimität verdichtet. Zunehmend wichtiger wird der Nationalismus von oben. Doch diese Quelle politischer Legitimität ist prekär, weil sie das Potential birgt, ethnopolitische Spannungen zu verschärfen.

(Osteuropa 8/2014, S. 99–112)