Titelbild Osteuropa 5-6/2014

Aus Osteuropa 5-6/2014

Zwischen Angst und Größenwahn
Gas und Öl als politische Druckmittel

Roland Götz

Abstract

Europas Erdgasimport aus Russland erfolgt ausschließlich über Leitungen. Daraus wird eine hohe und gefährliche Abhängigkeit abgeleitet. Dies ist ein Fehlschluss. Das technische Faktum bewirkt nicht Dependenz, sondern Interdependenz, so dass die angebliche „Gaswaffe“ stumpf ist. Ein Lieferstopp hat – ebenso wie ein Importverbot – unausweichlich Rückwirkung auf die eigene Wirtschaft, so dass die Erdgasbeziehungen für keine Seite als politisches Druckmittel geeignet sind. Die als Reaktion auf Russlands Machtpolitik konzipierte Energieaußenpolitik der gegenwärtigen EU-Spitze beruht auf dem verfehlten und nicht realisierbaren Grundgedanken, die Energiebezüge aus Russland zu verringern, wobei konkret Erdgas gemeint ist. Der Westen sollte vielmehr bei gegebenem Anlass seine schärfste nichtmilitärische Waffe, das Ölembargo, einsetzen.

(Osteuropa 5-6/2014, S. 277–294)