Titelbild Osteuropa 2-4/2014

Aus Osteuropa 2-4/2014
Teil des Religion im Konflikt

Katastrophe und Epochenwende
Der Erste Weltkrieg und die Russische Orthodoxe Kirche

Alfons Brüning

Abstract

Jahrhundertelang galten im Russischen Reich Thron und Altar als untrennbar. Doch nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs sucht man vergeblich nach offensiver kirchlicher Unterstützung für die Monarchie. Die Symphonia von Kirche und Staat war erodiert. Analoges zur protestantischen Kriegstheologie oder zu den katholischen Kriegspredigten gibt es nicht. Das hat auch theologische Ursachen. Die Kirche legitimierte zwar den Krieg, weil er dazu diente, die „russische Erde“ zu verteidigen. Theologen und Religionsphilosophen nahmen den Kampf gegen die Mittelmächte zum Anlass, die slavophile Idee neu zu bestimmen. Einzelne sahen den Krieg als Fanal, um die Spaltung der orthodoxen Welt zu überwinden. Aber die Kirche beschränkte sich weitgehend darauf, die Not infolge des Krieges zu lindern: seelsorgerisch an der Front und karitativ in der Heimat.

(Osteuropa 2-4/2014, S. 263–278)