Titelbild Osteuropa 2-4/2014

Aus Osteuropa 2-4/2014

Dienst in der Höhle des Löwen
Juden in der russischen Armee

Oleg Budnickij

Abstract

Seit 1827 unterlagen Juden in Russland der allgemeinen Wehrpflicht. Bei der Armee waren sie aber nicht gern gesehen. Juden galten als unzuverlässig und nur eingeschränkt wehrtüchtig. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs traten diese Vorurteile noch schärfer hervor. Zahlreiche jüdische Soldaten wurden wegen des Verdachts auf Sabotage oder Spionage hingerichtet. Dennoch verknüpfte sich für viele Juden mit dem Einsatz im Krieg zunächst die Hoffnung auf eine Verbesserung ihrer sozialen Stellung. Die patriotische Begeisterung, die zu Kriegsbeginn auch jüdische Kreise erfasst hatte, fiel jedoch bald wieder in sich zusammen. Die Offizierslaufbahn und bestimmte Auszeichnungen blieben Juden weiterhin verwehrt, wie heldenhaft sie auch kämpfen mochten. Dies änderte sich erst nach der Oktoberrevolution. In der Roten Bürgerkriegsarmee waren viele leitende Positionen von jüdischen ehemaligen Soldaten der zaristischen Armee besetzt.

(Osteuropa 2-4/2014, S. 171–184)