Titelbild Osteuropa 7/2013

Aus Osteuropa 7/2013

Ein Ort, drei Erinnerungen
Hiroshima aus sowjetischer Sicht

Andreas Renner

Abstract

Die Atombombenangriffe von 1945 galten aus sowjetischer Sicht nicht als Ende des Weltkrieges, sondern als Auftakt des Kalten Krieges. Für die UdSSR stellte das Ereignis eine gewaltige militärische, wissenschaftliche und politisch-ideologische Herausforderung dar, doch diese Bedeutung wurde von offizieller Seite systematisch heruntergespielt. Schon gar nicht sollte Angst vor der Atombombe und der Atomkraft entstehen. Blieb Hiroshima unter Stalin weitgehend ignoriert, stieg es in den 1950er Jahren zu einem Symbol des drohenden Atomkriegs und des US-amerikanischen Imperialismus auf. Doch erst im Zweiten Kalten Krieg der 1980er Jahre wurde Hiroshima auch in der Sowjetunion zu einem Erinnerungsort der möglichen nuklearen Apokalypse.

(Osteuropa 7/2013, S. 139–168)