Titelbild Osteuropa 5-6/2013

Aus Osteuropa 5-6/2013

Vom privatisierten Staat zum verstaatlichten Markt?
Eigentum in der Sowjetunion und in Russland

Roland Götz

Abstract

In der Sowjetunion gab es eine hierarchisch strukturierte Planwirtschaft mit Staatseigentum nur auf dem Papier. Daneben gab es eine ausgedehnte Untergrundwirtschaft und informelle Beziehungsnetzwerke. Die „roten Manager“ hatten sich die Betriebe jedoch nicht angeeignet. Erst in der Perestrojka begann die Privatisierung des Staatsvermögens, das vor allem an Insider aus den Betrieben ging. Anfang der 1990er Jahre sollte mit Hilfe der Gutscheinprivatisierung das ganze Volk zu Eigentümern der Betriebe gemacht werden. Doch erneut setzten sich Privilegierte mit guten Kontakten zur Bürokratie durch. Die Vertreter großer Kapitalgruppen, die als „Oligarchen“ berüchtigt wurden, kauften sich zu Vorzugspreisen in Großunternehmen ein. Das Staatsvermögen wurde rasch und weitgehend, wenn auch äußerst ungleich verteilt. Nur im Energie- und Rüstungssektor wurde die Privatisierung gestoppt. Der volle Schutz des Privateigentums steht jedoch noch aus, denn die Machtstrukturen verfolgen viele kleine und mittlere Unternehmen mit falschen Anschuldigungen.

(Osteuropa 5-6/2013, S. 315–332)