Titelbild Osteuropa 5-6/2013

Aus Osteuropa 5-6/2013

Schweigen ist Gold
Die Modernetheorie und der Kommunismus

Stefan Plaggenborg

Abstract

Die Soziologie, deren Aufgabe es ist, moderne Gesellschaften zu untersuchen, hat den Kommunismus sowjetischen Typs aus der Theorie der Moderne nahezu vollständig ausgeblendet. Die Ursachen sind der Wunsch nach theoretischer Kohärenz sowie ideologische Positionen. Dabei ist die historische Verwandtschaft der west- und osteuropäischen Gesellschaften unübersehbar: Technisierung, Verwissenschaftlichung, Sozialdisziplinierung, Massengesellschaft, Säkularisierung, Entzauberung der Welt, Umweltzerstörung sind der sowjetischen und der westlichen Moderne eigen. Um die Besonderheiten der sowjetischen Moderne zu erfassen, ist es erstens nötig, sich aus dem Sprachgebrauch der westlichen Modernetheorie zu lösen und eigene Begriffe zu generieren. Zweitens muss der Gegenstand einer solchen Modernediskussion die gesamte Geschichte der Sowjetunion und nicht nur der Stalinismus sein. Nur so ist eine Integration des Kommunismus in die Theorie der Moderne möglich.

(Osteuropa 5-6/2013, S. 65–78)