Titelbild Osteuropa 5-6/2013

Aus Osteuropa 5-6/2013

Revolution statt Revolution
Wirkung und Wahrnehmung der Solidarność

Burkhard Olschowsky

Abstract

1980 begann in Polen eine Revolution. Zum ersten Mal in der Geschichte der kommunistischen Staatenwelt gründeten Arbeiter eine freie Gewerkschaft. Für die regierende Arbeiterpartei in Polen und die kommunistischen Bruderparteien von der UdSSR bis zur DDR war die bloße Existenz der Solidarność ein Angriff auf ihr ideologisches Selbstverständnis und ihr Machtmonopol. Die Solidarność wuchs zu einer breiten Freiheitsbewegung. Mit ihrer Verpflichtung auf Gewaltfreiheit und Selbstbeschränkung revolutionierte sie den Revolutionsbegriff. Sie brach mit der polnischen Aufstandstradition, und sie prägte den Runden Tisch. Hier waren Kompetenz und Verhandlungsgeschick gefragter als revolutionärer Furor. Der ausgehandelte Übergang von einem autoritären sozialistischen System in eine demokratische Ordnung vollendete 1989 eine Revolution besonderer Art.

(Osteuropa 5-6/2013, S. 271–282)