Titelbild Osteuropa 5-6/2013

Aus Osteuropa 5-6/2013

Kommunismus und die nationale Frage
Die Sowjetunion als Vielvölkerimperium

Gerhard Simon

Abstract

Die Bolschewiki stellten das Russländische Reich als Vielvölkerimperium wieder her. In Gestalt der Sowjetunion bestand es bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. Neben rücksichtsloser Gewalt im Bürgerkrieg 1918-1921 und während des Stalinschen Terrors entwickelten sie spezifische Instrumente zur Integration der Völker. Dazu gehörten die Korenizacija, eine Form der positiven Diskriminierung der nichtrussischen Völker sowie die KPdSU als machtpolitische Klammer. Entgegen ihrer Absicht und Erwartung schritt die Nationsbildung unaufhaltsam fort. Die sowjetische Führung unter Michail Gorbačev war nicht mehr in der Lage, die Forderungen der Nationen nach nationaler Selbstbestimmung – nicht zuletzt die der Russen – zu kanalisieren und zu integrieren.

(Osteuropa 5-6/2013, S. 107–124)