Titelbild Osteuropa 5-6/2013

Aus Osteuropa 5-6/2013

Abgeschlossenes Kapitel
Der Eurokommunismus in der Retrospektive

Nikolas R. Dörr

Abstract

Anfang der 1970er Jahre leiteten die italienischen Kommunisten eine revolutionäre Wende ein. Sie lösten sich aus der Vorherrschaft der KPdSU, nahmen Abschied von Prinzipien der marxistisch-leninistischen Ideologie und der kommunistischen Parteiherrschaft. Sie erkannten die Grundlagen der parlamentarischen Demokratie an und bejahten die Westintegration. Diese Wende speiste sich aus der Kritik an der militärischen Niederschlagung des „Prager Frühlings“ und der autoritär repressiven Politik der Sowjetunion. Unterstützung fanden sie zunächst in Frankreich und Spanien. Der Eurokommunismus war kein homogenes theoretisches Gebilde. Die eurokommunistische Periode war eine des Übergangs. An ihrem Ende stand die Transformation der westeuropäischen kommunistischen Parteien in sozialdemokratische oder der Absturz in die Bedeutungslosigkeit. Offen ist, wie stark die sowjetischen Reformer unter Gorbačev vom Eurokommunismus beeinflusst waren.

(Osteuropa 5-6/2013, S. 255–270)