Titelbild Osteuropa 2-3/2013

Aus Osteuropa 2-3/2013

Die doppelte Nische
Historiographie der Juden Osteuropas in Deutschland

Anke Hilbrenner

Abstract

Die Mehrheit der jüdischen Weltbevölkerung lebte ab dem 18. Jahrhundert in Osteuropa. Dieser Raum war bis zum Holocaust das Zentrum jüdischen Lebens. Doch weder die Jüdische Geschichte noch die Osteuropäische Geschichte widmeten den osteuropäischen Juden große Aufmerksamkeit. In Deutschland erlebte die Jüdische Geschichte nach dem Ersten Weltkrieg und der russisch-jüdischen Zuwanderung eine erste Blüte. Nach 1933 wurde „Judenforschung“ zur antisemitischen Disziplin, die sich ab 1939 in den Dienst der deutschen Besatzungs- und Vernichtungspolitik stellte. In der Nachkriegszeit war Jüdische Geschichte zunächst ein Tabu. Erst Mitte der 1960er Jahre wurden erste Lehrstühle für Judaistik eingerichtet. Es dauerte bis in die 1980er Jahre, ehe die sozialhistorisch orientierte Osteuropäische Geschichte Juden im Russischen Reich und in der UdSSR in den Blick nahm. Heute ist die Erforschung der osteuropäischen jüdischen Geschichte zu einem Paradigma für transnationale und globalhistorische Fragen geworden.

(Osteuropa 2-3/2013, S. 147–170)