Titelbild Osteuropa 10/2013

Aus Osteuropa 10/2013

Masken des Begehrens
Homosexualität in der russischen Literatur

Ulrich Schmid

Abstract

In der russischen Kulturgeschichte ist die Homosexualität eine prekäre Kategorie, die zu einem verklausulierten Ausdruck drängt. Diese Spannung zwischen Gewusstem und Unsagbarem erzeugt ein ganzes Spektrum verschiedener Rhetoriken, die Eingang in literarische Werke gefunden und bisweilen sogar den Stil einer ganzen Epoche geprägt haben. Die Homosexualität wird in der Neuzeit zunächst stigmatisiert, im Modernismus explizit thematisiert, in der Sowjetkultur tabuisiert und in der Gegenwart als Provokation gegen traditionelle Lebensstile eingesetzt. Damit verfügt die Homosexualität auch über ein erhebliches politisches Protestpotential, das sich in Russlands öffentlichem Raum zunehmend artikuliert.

(Osteuropa 10/2013, S. 17–48)