Titelbild Osteuropa 10/2013

Aus Osteuropa 10/2013

Beredtes Schweigen
Skizzen zur Geschichte der Homosexualität in Russland

Dan Healey

Abstract

In Russland waren sexuelle Beziehungen unter Männern lange Teil der patriarchalischen Maskulinität. Untergebene galten als verfügbar. Erst mit der Urbanisierung bildet sich ab den 1870er Jahren eine spezifische homosexuelle Subkultur heraus. Insbesondere in den Hauptstädten Petersburg und Moskau entstanden „kleine homosexuelle Welten“: öffentliche Treffpunkte, wo spezifische Werte und Symbole galten. Die Stadt wurde zur Bühne, auf der sich tetki tummelten. Die Ära der Sichtbarkeit währte nur kurz. Die homosexuelle Subkultur löste Ablehnung aus. Repression und Toleranz existierten nebeneinander, ehe die sowjetischen Behörden 1933/34 Homosexualität zum Straftatbestand erklärten.

(Osteuropa 10/2013, S. 5–16)