Titelbild Osteuropa 3/2012

Aus Osteuropa 3/2012

Zwischen Mythos und Minenfeld
Historiographie in Tadschikistan

Tim Epkenhans

Abstract

Die postsowjetische Geschichtsschreibung Tadschikistans basiert auf einer Umdeutung von historischen Narrativen der Sowjetzeit. Die offizielle Rekonstruktion der „authentischen“ tadschikischen Identität orientiert sich an einer weit entfernten, mythischen Vergangenheit, die mit der Gegenwart wenig gemein hat. Gleichzeitig versucht die Regierung, sich die Deutungshoheit über die Erinnerung an den verheerenden Bürgerkrieg (1992–1997) zu sichern. Nach einer Phase der Verdrängung, in der die Rhetorik der nationalen Einheit dominierte, inszeniert sich der amtierende Präsident Rahmon seit Mitte der 2000er Jahre immer deutlicher als Sieger des Bürgerkriegs. Einen Kontrapunkt hierzu setzten in jüngster Zeit einige unabhängige Medien.

(Osteuropa 3/2012, S. 137–150)