Titelbild Osteuropa 3/2012

Aus Osteuropa 3/2012

Mit Schwert und Feder
Russland und die Eroberung Mittelasiens seit Peter

Rudolf A. Mark

Abstract

Russlands Vordringen nach Mittelasien gilt gemeinhin als eine Folge des Krimkrieges und als Reaktion auf die imperiale Politik Großbritanniens. Tatsächlich setzte die Eroberung jedoch nicht erst im 19. Jahrhundert, sondern unter Peter dem Großen ein und folgte einer inneren Logik. Russland wollte Zugang zum Welthandel erhalten, Mittler zwischen Asien und Europa sein und sein Territorium ausdehnen. Treibende Kräfte der Expansion waren Wissenschaftler, allen voran Geographen und Vermessungstechniker, später Staatswissenschaftler. Sie garantierten die Konstanz und Nachhaltigkeit des asiatischen Projektes. Wissenschaftler gewannen Informationen über das Aufmarschgebiet, legitimierten die Eroberung und verliehen der kolonialen Aneignung akademische Weihen. Früher als in den europäischen Imperien wurden die Disziplinen im Zarenreich zu „imperial sciences“.

(Osteuropa 3/2012, S. 79–104)