Titelbild Osteuropa 11-12/2012

Aus Osteuropa 11-12/2012

Gründe und Abgründe
Witold Lutosławski und der Sozialistische Realismus

Dorota Kozińska

Abstract

Kaum war Witold Lutosławskis Erste Sinfonie in Polen öffentlich erklungen, setzte das Regime sie auf die Liste der verbotenen Werke. Nach den Vorgaben des Sozialistischen Realismus galt sie als „formalistisch“ – ein Euphemismus für experimentell und avantgardistisch. Doch damit war Lutosławskis Schaffen nicht beendet. Er suchte einen Kurs, um den ideologischen Vorgaben gerecht zu werden, ohne seine künstlerische Freiheit zu verleugnen. Hierzu griff er zum Mittel des Folklorismus. Diese Phase beendete er mit seinem technisch avancierten und vielbeachteten Konzert für Orchester. Zu den dunklen Seiten in Lutosławskis Schaffen gehören die Massenlieder und die Soldatenlieder. Sie waren sein Zugeständnis an das kommunistische Regime.

(Osteuropa 11-12/2012, S. 39–46)