Titelbild Osteuropa 10/2012

Aus Osteuropa 10/2012

Vielfalt in der Einheit
Jüdisches Schulwesen im Polen der Zwischenkriegszeit

Hanna Schmidt Holländer

Abstract

In Polen entstanden nach 1919 auf der Basis des Minderheitenschutzvertrags zahlreiche säkulare und religiöse jüdische Schulen. Religiöse Organisationen und politische Gruppierungen insbesondere sozialistischer und zionistischer Prägung gründeten Schulnetzwerke. Ihre Programme spiegelten die Heterogenität der polnisch-jüdischen Gemeinschaft wider. Schulen mit zionistischer Ausrichtung standen neben jenen, welche die jüdische nationale Eigenständigkeit in der polnischen Gesellschaft betonten, gemäßigt-religiöse neben ultra-orthodoxen Einrichtungen. Viele assimilatorisch eingestellte Juden schickten ihre Kinder auf öffentliche polnische Schulen. Die nationalistische, minderheitenfeindliche staatliche Politik und der weit verbreitete Antisemitismus destabilisierten in den 1930er Jahren zunehmend das jüdische Schulsystem.

(Osteuropa 10/2012, S. 53–70)