Titelbild Osteuropa 10/2012

Aus Osteuropa 10/2012

Auf gepackten Koffern
Jüdische Lebenswelten in Stettin nach 1945

Achim Wörn

Abstract

Im westpommerschen Szczecin siedelten die polnischen Behörden 1946 Zehntausende jüdischer „Repatrianten“ aus der Sowjetunion an. Für die meisten war Stettin nur Durchgangsstation. Anders als es die offizielle Lesart glauben machen wollte, kehrten sie nicht in ihre Heimat zurück. Ursprünglich hatten sie in Ostpolen gelebt und sich während des Krieges in die UdSSR gerettet oder waren dorthin deportiert worden. Nun wurden sie im Westen zwangsangesiedelt. An diesem Zwang scheiterte der Versuch der Staatsmacht, die Juden dauerhaft in Stettin zu halten. Antisemitismus, Stalinismus und der Kampf gegen jüdische Eigenständigkeit trugen dazu bei, dass viele der Stettiner Juden emigrierten.

(Osteuropa 10/2012, S. 109–151)