Titelbild Osteuropa 8-9/2011

Aus Osteuropa 8-9/2011

„Leningrads Heldentat“
Die filmische Verarbeitung der Blockade

Eva Binder

Abstract

Die Filme über die Blockade sind ein Spiegel der Erinnerungskultur. In der Nachkriegszeit dominierte das Narrativ von der heroischen Verteidigung der Stadt. Filme dienten der politischen Mobilisierung. In der Tauwetterperiode war es möglich, individuelle Geschichten zu erzählen. Unter Brežnev wurde die Erinnerung an den Krieg standardisiert und sakralisiert. Erst danach thematisierten ideologiekritische Filme den Hunger, das Leiden und das massenhafte Sterben. Bis in die 1980er Jahre entstanden Spielfilme über die Blockade, darunter monumentale Kriegsepen und Kinderfilme. Heute wird in Russland die Erinnerung an die Blockade durch dokumentarische Genres wachgehalten. Die Bandbreite reicht von Fernseh-Infotainment bis zu künstlerisch herausragenden Dokumentarfilmen. Den Kern der Darstellung bilden die erschütternden Aufnahmen des Winters 1941/42.

(Osteuropa 8-9/2011, S. 300–322)