Titelbild Osteuropa 7/2011

Aus Osteuropa 7/2011

Nonkonforme jüdische Literatur
Die Poetik des Widerstands und die Wiederentdeckung des Judentums in der späten Sowjetzeit

Klavdia Smola

Abstract

In den 1970er Jahren entstand in der Sowjetunion eine jüdische Dissidentenkultur. Sie war eng mit dem „Aufwachen“ des jüdischen historischen und kulturellen Gedächtnisses verknüpft. Die Literatur des sowjetisch-jüdischen „Gegenkanons“, die in dieser einmaligen politisch-kulturellen Periode entstand umfasst sowohl um die illegal veröffentlichten Texte des jüdischen Samizdat, als auch um Werke der bereits nach Israel emigrierten Schriftsteller. Wesentliches Element der Poetik der inkonformen jüdischen Literatur ist die Allianz zwischen dem Widerstand und der neuen „Jüdischkeit“ der meist stark assimilierten sowjetischen Juden. Diese Literatur war ein Gegenentwurf zur offiziellen, auf weltanschauliche und ethnische Homogenisierung ausgerichteten sowjetischen Kultur.

(Osteuropa 7/2011, S. 61–80)