Titelbild Osteuropa 12/2011

Aus Osteuropa 12/2011

„Lager und Fahne sind eins“
Fatale Traditionen in Ungarns Erinnerungskultur

Krisztián Ungváry

Abstract

Ungarns Erinnerungskultur ist im Umbruch. Seit über einem Jahrzehnt findet eine Neuinterpretation der Vergangenheit statt. Dabei spielen Rechtsextremisten eine fatale Rolle. Von ihrem Geschichtsbild grenzt sich die Regierungspartei Fidesz nur unzureichend ab. Unreflektierte Traditionsbestände wie der Turul-Vogel, Árpád-Streifen und Großungarn sind zu nationalen Symbolen geworden. Während Nobelpreisträger Imre Kertész von den offiziellen Medien ignoriert oder verunglimpft wird, macht die herrschende Politik „Vorbilder“ wie den Schriftsteller Albert Wass hoffähig, die in einem demokratischen Rechtstaat als unerträglich empfunden werden müssten. In der Geschichtspolitik ist eine schleichende Radikalisierung zu beobachten.

(Osteuropa 12/2011, S. 281–302)