Titelbild Osteuropa 6/2010

Aus Osteuropa 6/2010

Annäherung ohne Versöhnung
Bewegung im armenisch-türkischen Verhältnis

Aschot L. Manutscharjan

Abstract

Die im Jahr 2009 unterzeichneten armenisch-türkischen Protokolle zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen und zur Grenzöffnung könnten einen Neuanfang in den historisch belasteten bilateralen Beziehungen bedeuten. Doch die alten Streitfragen stehen einer Ratifizierung und einer echten Annäherung im Wege. Eriwan besteht darauf, dass die Türkei den Völkermord an den Armeniern in den Jahren 1915–1923 anerkennt. Ankara fordert weiterhin, dass Armenien seine Truppen aus den besetzten Gebieten des türkischen Verbündeten Aserbaidschan abzieht. Dass die Protokolle überhaupt unterzeichnet wurden, ist dem Interesse der Türkei geschuldet, sich als Regionalmacht zu etablieren, und dem Bedürfnis Armeniens, sich aus der Abhängigkeit von seinem strategischen Partner Russland zu lösen.

(Osteuropa 6/2010, S. 99–116)