Titelbild Osteuropa 5/2010

Aus Osteuropa 5/2010

Flöten wie Sokrates
„Neue Alte“ und die alte Realität in Russland

Aleksej Levinson

Abstract

Im kulturellen Gedächtnis der Gesellschaft überlagern sich archaische und moderne Vorstellungen von Alter und Tod. Mit den demographischen Verschiebungen verändert sich auch das Bild vom Alter. Das Alter ist keine objektive biologische, sondern eine soziale Tatsache. In Teilen der Welt gilt das Alter nicht mehr als Lebensphase ohne Sinn und Zweck, sondern analog zur Jugend als Zeit des Lernens und der Erfahrung. Doch in Russland hat diese Ansicht, das Alter könne eine gute Zeit sein, keinen Platz. Die Umbrüche, die das Land seit der Perestrojka erschütterten, führten dazu, dass die älteren Generationen ihre gesamten sozialen Rücklagen einbüßten. Diese Rücklagen konnten materielle sein, aber auch berufliche, intellektuelle oder alltägliche, die ihnen Autorität, Respekt und Selbstwertgefühl garantiert hätten.

(Osteuropa 5/2010, S. 159–174)