Titelbild Osteuropa 11/2010

Aus Osteuropa 11/2010

Kanon und Gegenkanon
Offizielle Kultur und ihre Inversion in der UdSSR

Malte Rolf

Abstract

In den 1930er Jahren kristallisierte sich der sowjetische Kulturkanon heraus. Damit ging eine innere Gleichförmigkeit und Abschottung gegenüber anderen kulturellen Strömungen einher. Der Kanon definierte bis in die 1990er Jahre den Rahmen jeder offiziellen Kommunikation und bestimmte das Handeln der Sowjetbürger. Mit dem Auftauchen der Dissidenten in den 1960er Jahren begann dieser Kanon zu erodieren. Doch der Gegenkanon der sowjetischen Dissidenten wie auch der Opposition in Ostmitteleuropa – etwa der Solidarność in Polen – und selbst noch der Unabhängigkeitsbewegungen im Baltikum während der Perestrojka war den tradierten Mustern der offiziellen Kultur stärker verhaftet, als die handelnden Personen es wahrnahmen.

(Osteuropa 11/2010, S. 173–190)