Titelbild Osteuropa 2-3/2009

Aus Osteuropa 2-3/2009

Geburtsmale
Wie die „Revolution“ zum „Umbruch“ verkam

Petr Pithart

Abstract

Der Prager Frühling ging nicht im August 1968 zu Ende. Erst die innere Okkupation durch die bewaffnete tschechoslowakische Staatsmacht ein Jahr später brach den Widerstand. Was folgte, war ein Niedergang der Gesellschaft, der Rückzug der Menschen ins Private. Die Zerstörung des Vertrauens zwischen den Menschen in den zwanzig langen Jahren der „Normalisierung“ hat Folgen weit über das Jahr 1989 hinaus. Der Raubtierkapitalismus hat die Regellosigkeit der Schattenwirtschaft zum Gesetz gemacht. Was bleibt, ist die „Solidarität der Erschütterten“, die bereits die Charta 77 als pluralistische Gemeinschaft ohne Ideologie zusammenhielt.

(Osteuropa 2-3/2009, S. 27–40)