Titelbild Osteuropa 2-3/2009

Aus Osteuropa 2-3/2009

Freiheit ist nicht maskulin
Die tschechische Frauenbewegung vor und nach 1989

Jiřina Šiklová

Abstract

Der Sozialismus behauptete, die Geschlechterfrage gelöst zu haben. Doch die verordnete Gleichstellung bedeutete für Frauen vor allem eine Doppelbelastung in Beruf und Familie. Zugang zu den entscheidenden Machtpositionen hatten sie sowieso nicht. Schlimmer jedoch war die Verletzung der elementaren Bürger- und Menschenrechte. Während die tschechische Frauenbewegung verstaatlicht wurde, kämpften eigensinnige Tschechinnen vor und nach 1968 für die Freiheit aller Mitglieder der Gesellschaft. Manchen westlichen Feministinnen mag es bis heute nicht einleuchten, aber die Voraussetzungen, sich um Frauenfragen zu kümmern, haben sich die Ostmitteleuropäerinnen erst 1989 erkämpft. Seitdem haben sich eine lebendige Zivilgesellschaft und eine akademische Genderforschung entwickelt.

(Osteuropa 2-3/2009, S. 167–172)