Titelbild Osteuropa 8-10/2008

Aus Osteuropa 8-10/2008

„Wir Europäer schlechthin“
Die Familie Koigen im russisch-jüdischen Berlin

Verena Dohrn

Abstract

Nach der Oktoberrevolution sammelten sich in Berlin russisch-jüdische Flüchtlinge. Sie bildeten ein ganz eigenes soziokulturelles Milieu. Die Intellektuellen unter ihnen wirkten in der Öffentlichkeit sowie als Mittler zwischen Ost und West. Die leidvollen Erfahrungen der Revolution und die Schwierigkeiten des Lebens im Exil ließen sie zu Vordenkern eines vereinten Europa werden. Einer von ihnen war der Sozialphilosoph David Koigen. Mit seiner Familie erfuhr er aber auch die Kehrseite seines europäischen Selbstverständnisses. Er war in der russischen, der jüdischen und der deutschen Welt fremd. Dass Koigen, der einer der bekanntesten Gelehrten Deutschlands war, in Vergessenheit geraten ist, hat mit dieser Stellung zwischen den Kulturen ebenso zu tun wie mit der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung der Juden.

(Osteuropa 8-10/2008, S. 211–232)