Titelbild Osteuropa 6/2008

Aus Osteuropa 6/2008

Von Lemberg nach L’viv
Gedächtniskonflikte in einer Stadt an der Grenze

Delphine Bechtel

Abstract

Lemberg gehörte in seiner Geschichte zu verschiedenen Großreichen. Seine multiethnische Bevölkerung bestand vor allem aus Polen, Juden und Ukrainern. Westliche Historiker und Emigranten verklären die Stadt als multikulturelle Metropole. Tatsächlich war Lemberg immer – unter polnischer Herrschaft, unter NS-Besatzung, in der Sowjetunion und jetzt als Zentrum der Westukraine – Schauplatz einer aggressiven Macht- und Identitätspolitik, die jeweils Teile der Einwohner ausgrenzte. Eine differenzierte Aufarbeitung der Vergangenheit findet nicht statt. Die lokalen Eliten betreiben eine Erinnerungspolitik, in der fragwürdige Traditionen der ukrainischen Nationalbewegung heroisiert und Juden und Polen ein zweites Mal eliminiert werden.

(Osteuropa 6/2008, S. 211–228)