Titelbild Osteuropa 6/2008

Aus Osteuropa 6/2008

Erinnern und Vergessen
Vom Nutzen und Nachteil für die Politik

Helmut König

Abstract

Der Gedächtnisbegriff ist zu einer zentralen Kategorie der Politik und der sozialwissenschaftlichen Theoriebildung geworden. Erinnerung ist kein natürlicher Prozess, sondern abhängig von sozialen Bedingungen. Erinnerung und Vergessen als gleichrangige Akte und Vermögen des Gedächtnisses sind Gegenstand gezielten Handelns politischer Akteure. Seit der Antike dient der Bezug auf die Vergangenheit dazu, die politische Ordnung zu stabilisieren und zu legitimieren, kollektive Identitäten zu bilden und Loyalität zu sichern. Von besonderer Bedeutung ist Erinnerungspolitik nach politischen Umbrüchen. Je nach Zeit und Kontext erweisen sich Erinnern und Bestrafen oder Vergessen und Vergeben als geeignet, der Macht der Vergangenheit zu entkommen.

(Osteuropa 6/2008, S. 27–40)