Titelbild Osteuropa 6/2008

Aus Osteuropa 6/2008

Erinnern als staatliche Veranstaltung
Geschichte und Herrschaft in Russland

Boris Dubin

Abstract

In Russland beansprucht der Staat das Monopol auf die Schaffung der Geschichte und die Weitergabe der Erinnerung. Jede Bewertung von vergangenem und aktuellem Geschehen, die von der offiziellen Linie abweicht, wird als feindlich wahrgenommen. Dies zeigt sich exemplarisch an der Memorialisierung des Großen Vaterländischen Krieges. Das Erinnerungssymbol vom „Sieg im Krieg“ wurde in der Brežnev-Zeit mit der gesamten Macht des sowjetischen Staates geschaffen. In der Putin-Ära wurde es reaktiviert. Es dient der Schaffung eines Kollektivs, der Definition des Feindes und der Legitimation der Herrschaft. Der Konsens über die Bedeutung des Sieges für Russland ist so breit, dass sogar Skepsis angebracht ist, ob das Familiengedächtnis ein Ort für eine Gegenerinnerung an den GULag ist.

(Osteuropa 6/2008, S. 57–66)