Titelbild Osteuropa 6/2008

Aus Osteuropa 6/2008

Die politische Planung der Erinnerung
Geschichtskonstruktionen in Belarus zwischen Konflikt und Konsens

Imke Hansen

Abstract

Geschichte und Gedächtnis sind in Osteuropa ein zentrales Feld politischer Konkurrenz. Dies gilt insbesondere für die autoritär regierten Staaten, in denen es keinen pluralistischen Ideenwettbewerb gibt, sondern wo ein Regime und eine unterdrückte Opposition um die Formung des kollektiven Gedächtnisses ringen. In Belarus formt die offizielle Erinnerungspolitik des Lukašėnka-Regimes in sowjetischer Tradition den Sieg über die deutschen Besatzer im Großen Vaterländischen Krieg zum Gründungsmythos des heutigen belarussischen Staates. Die Opposition hingegen sieht die Wurzeln der belarussischen Staatlichkeit im Großfürstentum Litauen. Seit einiger Zeit sind jedoch Ansätze einer Annäherung zu beobachten.

(Osteuropa 6/2008, S. 187–196)