Titelbild Osteuropa 2/2008

Aus Osteuropa 2/2008

Offener Brief an Vladimir Putin

Sergej Kovalev

Abstract

Kurz vor der „Wahl“ genannten Akklamation, mit der Dmitrij Medvedev zum neuen Präsidenten Russlands gemacht wurde, meldete sich der Menschenrechtler Sergej Kovalev mit einem offenen Brief zu Wort, in dem er das unter dem scheidenden Präsidenten Putin errichtete Regime harsch kritisiert. Der 1930 geborene Biologe schöpft aus einer reichen Erfahrung: 1956 protestierte er gegen die sowjetische Intervention in Ungarn, 1968 setzte er sich für die Dissidenten ein, die wegen des Protests gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings verhaftet worden waren. 1975 wurde Kovalev wegen antisowjetischer Propaganda zu sieben Jahren Lagerhaft verurteilt. In den Jahren 1990–1993 war er Vorsitzender des parlamentarischen Ausschusses des Obersten Sowjet, 1994–1995 Menschenrechtsbeauftragter der Russländischen Föderation. Von diesem Amt trat er wegen der Kriegsführung Russlands im ersten Tschetschenienkrieg zurück, die er ebenso wie jene während des zweiten Waffengangs im Nordkaukasus scharf kritisierte. Wir dokumentieren den Brief in einer leicht gekürzten und redaktionell annotierten Fassung.

(Osteuropa 2/2008, S. 17–20)