Titelbild Osteuropa 8-9/2007

Aus Osteuropa 8-9/2007

Vom Panturkismus zum Pragmatismus
Die Türkei und Zentralasien

Rainer Freitag-Wirminghaus

Abstract

Die Türkei sieht in den turksprachigen Nationen Zentralasiens gerne Brudervölker. Als diese Anfang der 1990er Jahre die staatliche Unabhängigkeit erlangten, träumten Politiker in Ankara von einer politischen panturkischen Einheit. Diese Blütenträume platzten rasch. Die Türkei übte viel weniger Anziehungskraft auf die zentralasiatischen Staaten aus, als Ankara gehofft hatte. Gleichwohl ist die Türkei ökonomisch in der Region sehr präsent, und die kulturellen Kontakte haben sich vertieft. Dass Ankara aber mittlerweile der Realpolitik Vorzug vor der Fixierung auf vermeintliche Brüdervölker gibt, zeigt sich in der Energie- wie in der Sicherheitspolitik. In diesen beiden entscheidenden Bereichen haben sich die türkischen Interessen in den Südkaukasus verlagert. Dort ist neben dem kulturell und politisch eng mit der Türkei verbundenen Aserbaidschan auch Georgien zu einem wichtigen Partner geworden. Gleichwohl versucht Ankara auch in Zentralasien weiter seine Rolle zwischen Russland und den USA zu finden.

(Osteuropa 8-9/2007, S. 339–356)