Titelbild Osteuropa 6/2007

Aus Osteuropa 6/2007

Zwangsarbeit in Noril’sk
Ein atypischer, idealtypischer Lagerkomplex

Simon Ertz

Abstract

Zentrales Merkmal des stalinistischen Lagersystems war Zwangsarbeit. Ohne ihre Funktion zu analysieren, ist das Lagersystem nicht zu verstehen. Am Beispiel von Noril’sk, einem von Zwangsarbeitern erbauten und betriebenen Industriestandort in Rußlands Hohem Norden, läßt sich zeigen, daß Häftlinge vorrangig als wirtschaftliche Ressource betrachtet und behandelt wurden. Ökonomische Interessen tendierten dazu, die Aufgaben der Isolation, Bestrafung und Disziplinierung der Lagerinsassen in den Hintergrund zu drängen. Diese Zielhierarchie galt nicht nur für Noril’sk, sondern für das stalinistische Lagersystem insgesamt. Aufgrund des idealtypischen Charakters der Noril’sker Lager trat sie dort allerdings besonders klar hervor.

(Osteuropa 6/2007, S. 289–300)