Titelbild Osteuropa 6/2007

Aus Osteuropa 6/2007

Kraft für das Leben und den Tod
Varlam Šalamov und die Mandel’štams

Pavel Nerler

Abstract

Osip Mandel’štam war für Varlam Šalamov bewunderter Dichterkollege und Schicksalsgenosse zugleich. Das Sterben des Poeten auf dem Weg an die Kolyma verarbeitet er in seiner Erzählung „Cherry Brandy“. Eine weitere Erzählung, „Sentenz“, widmete er der Witwe Nadežda Mandel’štam. Während die erste Erzählung auf den Tod zuläuft und vor Apathie und Resignation starrt, ist in der zweiten der Keim der Hoffnung und des Lebens angelegt. Dies ist kein Zufall, denn in Nadežda Mandel’štams Erinnerungen sah Šalamov ein Dokument, das der russischen Intelligenzia ein kraftvolles, ermutigendes Denkmal setzte, ein Signal zur Rückkehr ins Leben. Die gegenseitige Verehrung für das Werk des anderen schlug sich von 1965 bis 1967 in einem intensiven Briefwechsel nieder und überdauerte den persönlichen Zwist.

(Osteuropa 6/2007, S. 229–238)