Titelbild Osteuropa 6/2007

Aus Osteuropa 6/2007

Die Herren des Lagers
Berufsverbrecher im Gulag

Manuela Putz

Abstract

Kriminelle wurden unter Stalin zu Haft in „Besserungsarbeitslagern“ verurteilt. Dort trafen die Berufsverbrecher auf Häftlinge anderer kultureller und sozialer Herkunft. Sie fanden in ihnen ein Publikum für ihre Spiele, Fehden und Exzesse. Behörden und Mithäftlinge nahmen sie als eine hierarchisch organisierte Gemeinschaft der Kriminellen wahr, sogenann­te vory-v-zakone. Kaschiert von Gefängnisfolklore und einem spezifischen Ehrenkodex vermochten sich „ehrhafte Diebe“, ihre Banden und kriminelle Gruppen mit Gewalt im Lager zu behaupten. Sie untergruben die offiziellen Strukturen des Lagerlebens. Nicht nur Mitgliedern der Diebesgemeinschaft, sondern auch Mithäftlingen und Wachmannschaften eröffnete dies neue Handlungsspielräume in einem vermeintlich streng reglementierten Lebensraum.

(Osteuropa 6/2007, S. 341–352)