Titelbild Osteuropa 6/2007

Aus Osteuropa 6/2007

Anatomie einer Zurückhaltung
Varlam Šalamov übersetzen

Gabriele Leupold

Abstract

Weil sich der Übersetzer, im Unterschied zum Nur-Leser oder auch zum Literaturwissenschaftler, jedem einzelnen Wort des Textes widmen muß, fördert er aus seiner Froschperspektive naturgemäß „technische“ Details ans Licht, die sonst leicht übersehen werden. Bei Šalamov, der für seine Erzählungen aus Kolyma ein bewußt beschränktes Instrumentarium verwendet, zeigt dieser Blick auf die Machart der Texte und auf die Unterschiede in den Mitteln der russischen und der deutschen Sprache, wie stark die Wirkung der Erzählungen von Entscheidungen im Kleinen abhängt – von einem Rhythmus, einer Pause, einem Tempus oder der Wahl des richtigen Worts.

(Osteuropa 6/2007, S. 195–204)