Titelbild Osteuropa 12/2007

Aus Osteuropa 12/2007

Tatarstan: Mythos um Musa Džalil’
Projektionsfläche für Identität

Ilshat Gimadeev, Jan Plamper

Abstract

Musa Džalil’ kämpfte im Zweiten Weltkrieg als Soldat der wolgatatarischen Kriegsgefangenenlegion Idel’-Ural auf deutscher Seite, bis er Mitglied einer Untergrundgruppe wurde. 1944 wurde er in Plötzensee hingerichtet. Ab 1953 wurde Džalil’ zum Nationaldichter Tatarstans erhoben und zu einer mythischen Figur, in der sich tatarische Geschichte und Identität spiegeln: Durch ihn konnten die Tataren den kollektiven Kollaborationsverdacht abstreifen und als tatarische und als vollwertige sowjetische Bürger leben. Heute wird sein Mythos islamisiert und tatarisiert. Jeweils geht es um die Konstruktion von Identität und die gesellschaftliche und politische Integration.

(Osteuropa 12/2007, S. 97–116)