Titelbild Osteuropa 10/2007

Aus Osteuropa 10/2007

Das „Phänomen L“
Zum ersten Todestag von Jurij Levada (1930–2006)

Aleksej Levinson

Abstract

Mit dem Tod von Jurij Levada am 16. November 2006 verlor Russland einen seiner führenden Soziologen und Meinungsforscher, einen Forscher, der sich trotz aller staatlichen Schikanen gegen seine Person und wissenschaftliche Arbeit die Unabhängigkeit seines Denkens bewahrte. Aus der institutionalisierten Wissenschaft verdrängt, versammelte Levada in den 1970er Jahren in informellen Seminaren Teile der Moskauer dissidenten Intelligencija um sich. Keine Sowjetmacht, keine Putin-Administration kam dem „Phänomen L“ bei: Levadas Ruf als empirischer Sozialforscher und moralische Autorität blieb unbescholten, sein Lebenswerk wird von den ehemaligen Kollegen am Levada-Institut fortgesetzt.

(Osteuropa 10/2007, S. 85–94)