Titelbild Osteuropa 8/2006

Aus Osteuropa 8/2006

„Lebendige Waffe im Kampf“
Šostakovič und die Kulturrevolution

Wolfgang Mende

Abstract

Dmitrij Šostakovič gilt heute vielen als getarnter Dissident. Für die Jahre 1928-1931/32 ist dies nicht überzeugend. In diesem Lebensabschnitt unterstützte er durch seine Kompositionen für Ballett, Music-hall, Theater und Film wie auch durch seine öffentlichen Äußerungen in weitem Maße die politisch-gesellschaftlichen Ziele der Kulturrevolution. Eine Analyse des Balletts Der Bolzen (1930/31) vor dem zeitgenössischen Rezeptionshintergrund zeigt, daß die in der Handlung angelegte Legitimation politischer Gewalt durch den unterhaltsamen und satirischen Charakter der Musik nicht desavouiert, sondern eher gefördert wird.

(Osteuropa 8/2006, S. 119–136)