Titelbild Osteuropa 6/2006

Aus Osteuropa 6/2006

Weiße Sklavinnen, arme Slawinnen
Das Melodram vom Frauenhandel

Jo Doezema

Abstract

Die Darstellungen von Menschenhandel im 21. Jahrhundert gleichen frappierend den hundert Jahre älteren Beschreibungen der "weißen Sklaverei". Das typische Opfer ist jung, naiv und schön. Es habe ein besseres Leben gewollt, sei angelockt, getäuscht und dann zur Prostitution gezwungen worden. Dieses melodramatische Bild sagt oft mehr über die Gesellschaft, die es produziert, als über die Frauen, die es beschreiben soll. Exemplarisch läßt sich dies an einem Bericht von W.T. Steads aus dem Jahre 1885 über seine Recherchen zur weißen Sklaverei in London und einem Bericht über Menschenhandel in Rumänien im Jahr 2003 zeigen.

(Osteuropa 6/2006, S. 269–284)