Titelbild Osteuropa 1-2/2006

Aus Osteuropa 1-2/2006

Der legitimierte Raub
Der Umgang mit Kunstschätzen in der Sowjetunion, 1917–1938

Waltraud Bayer

Abstract

Die Oktoberrevolution löste im Kulturbereich die weltweit umfangreichsten Enteignungen aus. Die Verstaatlichungen betrafen primär den Hof, den Adel, das Bürgertum und die Kirche. Armee, Miliz und Museumsexperten beschlagnahmten privaten Besitz: Kunst, Antiquitäten, Juwelen, Interieur. Die Bol’ševiki legitimierten die Requisition, die den Museen und den Staatsfinanzen zugute kam, mit der ökonomischen und kulturellen Relevanz für den Aufbau der neuen Gesellschaft. Das seit Ende der 1980er Jahre zugängliche Archivmaterial dokumentiert, daß die ideologische Komponente, die Abrechnung mit dem „Klassenfeind“, von zentraler Bedeutung war. Die Einnahmen aus dem Export der Kulturgüter waren gering. Heute ist Rußland bemüht, den kulturellen Aderlaß partiell zu kompensieren: Wertvolles nationales Kulturgut wird zurückgekauft.

(Osteuropa 1-2/2006, S. 55–70)