Titelbild Osteuropa 4-6/2005

Aus Osteuropa 4-6/2005

Vom Beschweigen zum Erinnern
Shoah und 2. Weltkrieg im politischen Bewußtsein der BRD

Helmut König

Abstract

Die Abgrenzung zum NS-Regime sowie die Bereitschaft, die Verantwortungfür dessen Verbrechen zu übernehmen, bildet das politisch-moralische Fundament, auf dem die Bundesrepublik aufgebaut ist. Was heuteals Selbstverständlichkeit erscheint, entstand keineswegs bereits in der Gründungsphase des westdeutschen Staates. Zwei Jahrzehnte beschwiegdie westdeutsche Gesellschaft die Verbrechen und exkulpierte die Täter,indem sie sich ausschließlich als Opfer eines Krieges wahrnahm, nachdessen Ursachen sie nicht fragte. Erst ab Mitte der 1960er Jahre rücktenschrittweise der Mord an den europäischen Juden und schließlich auch die Verbrechen der Wehrmacht ins öffentliche Bewußtsein. Erst dies ermöglichte, daß Deutschland heute einen gleichberechtigten Platz in Europa einnimmt und auch deutscher Opfer gedacht werden kann.

(Osteuropa 4-6/2005, S. 33–44)