Titelbild Osteuropa 4-6/2005

Aus Osteuropa 4-6/2005

Niemand und nichts ist vergessen
Die Okkupation in mündlichen Zeugnissen

Žanna Kormina, Sergej Štyrkov

Abstract

Die Oral History eröffnet andere Einsichten in den Kriegsalltag als die staatlich kanonisierte Meistererzählung der Kriegsgeschichte. Menschen aus einem Dorf im Gebiet Pskov erzählen von der deutschen Besatzung, von Partisanen und einer Massenerschießung. Das Erinnerte bezieht sich auf einzelne Fälle. Moralische Wertungen werden nur auf dieser Grundlage über Bekanntes und Erlebtes gefällt. Dadurch werden die aus den Meisterzählungen vertrauten Stereotypen, normativen Urteile und Dichotomien wie Freund–Feind oder Gut–Böse brüchig. Die Weitergabe des Erlebten läßt lokale Erinnerungsgemeinschaften entstehen, die aus der Geschichte Identität schöpfen.

(Osteuropa 4-6/2005, S. 444–461)