Titelbild Osteuropa 4-6/2005

Aus Osteuropa 4-6/2005

Kino in Zeiten des Krieges
Visualisierungen von 1941 bis 1945

Neja Zorkaja

Abstract

Das Kino ist ein Spiegel der Realität. Die Filme, die von 1941 bis 1945 entstanden, wurden lange als Agitation und reine Propaganda interpretiert. Dabei handelt es sich um eine Fehldeutung. Die kinematographisch reflektierte Dynamik und Bildsprache dieser Zeit nehmen das Kino derTauwetterperiode, den Aufbruch der 1960er Jahre voraus. Die Filme der Kriegszeit lassen einen Riß im monolithischen ästhetischen System des Sowjetkinos im Stalinismus erkennen. Unter dem direkten Einfluß der Kriegswirklichkeit entsteht ein anderes Kino. Tränen, Leiden, Angst und Erniedrigung finden Eingang ins Filmbild. Der Krieg gab der Kunst größere Freiheit – eine tragische Paradoxie der Zeit.

(Osteuropa 4-6/2005, S. 319–336)