Titelbild Osteuropa 4-6/2005

Aus Osteuropa 4-6/2005

Helden und Opfer
Denkmäler in Rußland und Deutschland

Natal’ja Konradova, Anna Ryleva

Abstract

Denkmäler geben Auskunft über kollektive Erinnerung und nationale Geschichtsbilder. Privat errichtete Denkmäler dienen dem Gedenken an Angehörige. Staatliche Denkmäler, die sich einer formelhaften Sprachebedienen, haben weitere Funktionen. Seit der Antike dienen sie der Verherrlichung des Staates, der Festigung der Macht und der Stiftung von Gemeinschaftsgefühl. Die Denkmäler des Großen Vaterländischen Kriegesin Rußland zeigen, wie sich die Gedenkpraxis verschiebt: Das individuelle Gedenken der Opfer in der Nachkriegszeit weicht dem verstaatlichten Gedenken, das von Normierung, Ideologisierung und Heroisierung gekennzeichnet ist. Heute stehen traditionelle und neue Formen und Aussagen nebeneinander: Pathos und Heroik neben dem Stillen und der Akzentuierung der Opfer. Ein Seitenblick auf die Gedenkpraxis und Denkmalspolitik in Deutschland zeigt, daß nach dem Dritten Reich eine Amnesie herrschte und heute primär der Opfer gedacht wird.

(Osteuropa 4-6/2005, S. 347–366)